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Initiative Nachrichtenaufklärung stellt vernachlässigte Top-10-Themen aus 2011 vor

Über Banken-Rettungsschirme liest man auf allen Titelseiten, aber wer kontrolliert eigentlich die Verteilung der Milliarden? Das Spitzen-Thema auf der diesjährigen Liste der vernachlässigten Nachrichten ist die mangelnde Transparenz des Sonderfonds für Finanzmarktstabilisierung (Soffin). Nach Ansicht der Initiative Nachrichtenaufklärung (INA) werden auch in diesem Jahr wieder wichtige Themen von den deutschen Medien nicht oder zu wenig aufgegriffen.

Ina Am 15. Juli wählte die Jury der INA in Dortmund die Rangliste der wichtigsten von den Medien vernachlässigten Themen und Nachrichten im Jahr 2011. Die zehn Top-Themen im Einzelnen sind:

 

1. Bankenrettung ohne wirksame parlamentarische Kontrolle

480 Milliarden Euro des Sonderfonds für Finanzmarktstabilisierung (Soffin) und 100 Milliarden Euro aus dem Restrukturierungsfonds sollen die Bankenrettung sichern. Die Kontrolle über die Mittel lag und liegt in den Händen von Finanzbeamten und ehemaligen Bankenchefs – das Parlament kann sie nicht kontrollieren. Drei Experten hatten seit Herbst 2008 die Möglichkeit, in Form von Krediten und Bürgschaften fast doppelt so viel Geld an Banken zu vergeben, wie Deutschland in einem Jahr einnimmt. Kontrolliert wird dies von fünf weiteren Experten. Neun Parlamentarier in einem für die Bankenrettung zuständigen Gremium haben nur Informationsrechte, dürfen aber keine Original-Dokumente sehen. Sie haben noch nie eine Entscheidung der Experten abgelehnt. Kritiker sehen darin eine Verletzung des Haushaltsrechts des Bundestags. Mittlerweile ist aus dem Notpaket eine Dauereinrichtung geworden. Deutschland ist damit auf dem Weg zur Expertokratie – weitgehend unbeachtet von den deutschen Medien.

 

2. Flächendeckend Schadstoffe an Schulen in NRW

Viele Schulgebäude in Nordrhein-Westfalen sind schadstoffbelastet und gefährden die Gesundheit von Lehrern und Schülern. Zuständige Behörden, Städte und Länder sowie die Politik informieren in der Regel nicht über die Altlasten. Medien berichten zwar über Einzelfälle, das gesamte Ausmaß des Sachverhalts bleibt jedoch ebenso wie das flächendeckende Problem unerkannt.

 

3. Militärforschung an deutschen Hochschulen

Das Bundesverteidigungsministerium finanziert Forschungsprojekte im Umfang von rund einer Milliarde Euro im Jahr. Bundesweit haben sich in den vergangenen zehn Jahren 48 Hochschulen an militärischen Studien und Entwicklungen beteiligt, vor allem in den Bereichen Technik und Medizin. In mehreren Städten protestieren meist studentische Initiativen dagegen, sie finden jedoch keine breite Aufmerksamkeit. Einige Universitäten haben Zivilklauseln in ihre Statuten aufgenommen, die jegliche militärische Nutzung ausschließen. Kommt es zu Konflikten, wie jüngst in Bremen, werden Einzelfälle skandalisiert. Eine breite Auseinandersetzung auf überregionaler Ebene findet jedoch nicht statt.

 

Weitere Top-10-Themen sind: Grundrecht auf Gesundheit – nicht für alle; Ärztliche Versorgung in Altenheimen mangelhaft; Der vergessene Krieg im Kaukasus; Doping im Fußball; Alternative Geldsysteme; Der Nocebo-Effekt; Die Misere der Erfinder in Deutschland.

 

Initiative Nachrichtenaufklärung

 

Die INA wurde im Mai 1997 gegründet und ist ein Gemeinschaftsprojekt folgender Hochschulen: TU Dortmund, Universität Bonn, Universität Siegen, Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg und MHMK Macromedia Hochschule für Medien und Kommunikation. Vorbild der Initiative ist das US-amerikanische "Project Censored". Ziel der INA ist es, wichtige Nachrichten und Themen, die in den Medien nicht genügend berücksichtigt wurden, stärker in das Bewusstsein der Öffentlichkeit zu bringen.

 

Medienschaffende, gesellschaftliche, wissenschaftliche und politische Institutionen, aber auch alle Bürger können bei der INA ihrer Meinung nach vernachlässigte Themen einreichen. Die Themenvorschläge werden von Studierenden in Recherche-Seminaren der beteiligten Hochschulen auf Richtigkeit und Vernachlässigung geprüft. Alle Themen, die dieser Prüfung standgehalten haben (meist rund 20), werden der Jury der INA vorgelegt. Diese entscheidet dann über die gesellschaftliche Bedeutung der Themen, indem sie jeweils im Juli die Rangliste der vernachlässigten Top-Themen des vergangenen Jahres kürt.

 

Die Jury

 

Die Jury der INA setzt sich aus Journalisten und Wissenschaftlern zusammen, u.a. Prof. Dr. Dr. Peter Ludes, Reiner Metzger (taz), Dr. Jörg-Uwe Nieland, Prof. Dr. Horst Pöttker, Prof. Dr. Christian Schicha, Prof. Dr. Ulrike Spree und Rita Vock (DLF).

 

 



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Kontakt

Ansprechpartner für Nachfragen zu den einzelnen Themen oder zur INA allgemein sind:

  • Miriam Bunjes

E-Mail:

Tel.:    0178 / 21 03 969

 

  • Daniel Drepper

E-Mail:

Tel.:    0176 / 611 96 014

 

  • Jörg-Uwe Nieland

E-Mail:

Tel.:    0172 / 302 21 23

 

Kontakt

Prof. Dr. Horst Pöttker

Geschäftsführer der INA,

Journalistik-Wissenschaftler

 

TU Dortmund

Institut für Journalistik

44221 Dortmund

 

Tel.: (0231) 755-28 27

Fax: (0231) 755-55 83